Stromkosten-Rechner · Grundpreis und Arbeitspreis: warum die Rechnung zweigeteilt ist
Grundpreis und Arbeitspreis: warum die Rechnung zweigeteilt ist
Stromkosten-Rechner im App Store ladenEine Stromrechnung sieht aus, als wäre sie eine Zahl. Es sind mindestens zwei. Der Arbeitspreis hängt daran, wie viele Kilowattstunden durch den Zähler gelaufen sind. Der Grundpreis hängt nicht daran. Wer die beiden Posten in einen Topf rührt, vergleicht Tarife falsch und versteht Geräte-Rechnungen falsch.
Unsere App Stromkosten-Rechner multipliziert den Arbeitspreis mit dem Verbrauch der Geräte. Das ist Absicht: nur dieser Teil bewegt sich, wenn der Trockner eine Stunde länger läuft. Den Grundpreis musst du trotzdem kennen, sonst ist die Jahresrechnung nicht die Summe der Gerätezeilen.
Die zwei Posten in einem Satz
Der Arbeitspreis ist das Entgelt je verbrauchter Kilowattstunde, ausgewiesen in Cent je kWh. Je mehr du verbrauchst, desto höher dieser Block. Der Grundpreis ist ein fester Betrag in Euro pro Monat oder pro Jahr. Er fällt an, auch wenn der Zähler im Urlaub stillsteht.
Die Bundesnetzagentur beschreibt genau diese Teilung: Arbeitspreis mal Jahresverbrauch, dazu der Grundpreis, ergibt den Abrechnungsbetrag. Der Grundpreis macht üblicherweise den kleineren Anteil der Gesamtrechnung aus — üblicherweise, nicht immer. Bei sehr kleinem Verbrauch kann der Fixblock relativ groß werden. Bei Wärmepumpe und Nachtspeicherheizung kippt das Verhältnis in die andere Richtung.
In denselben Behördenseiten steht außerdem: es gibt Lieferanten mit keinem oder einem sehr geringen Grundpreis (lineare Tarife). Die sind fürs Sparen bequem, weil jede eingesparte Kilowattstunde voll durchschlägt. Bei hohem Bedarf kann ein Tarif mit höherem Grundpreis und niedrigerem Arbeitspreis trotzdem günstiger sein. Das ist der ganze Witz der Zweiteilung.
Wofür der Grundpreis da ist
Versorger und Netz verstecken hinter dem Wort verschiedene Fixkosten. Je nach Vertrag und Ausweis können das sein:
- Bereitstellung und Vertrieb (Vertrag, Kundenservice, Rechnung)
- anteilige Netzkosten, die nicht über den Arbeitspreis laufen
- Messstellenbetrieb: Zähler, Ablesung, bei intelligenten Messsystemen oft ein eigener Posten
Nicht jede Rechnung klebt diese Brocken sauber an denselben Namen. Manchmal steht der Zähler extra, manchmal steckt er im Grundpreis. Für den Haushaltsvergleich reicht die praktische Regel: alles, was sich nicht mit deinen Kilowattstunden ändert, behandelst du wie einen Grundpreis. Alles, was sich mit jeder kWh ändert, ist Arbeitspreis.
Ob der Grundpreis acht oder zwanzig Euro im Monat sind, steht auf deinem Blatt, nicht in einer allgemeinen Tabelle. Spannen aus Ratgebern helfen nur, die Größenordnung zu sehen. Maßgeblich ist der Vertrag.
Wofür der Arbeitspreis da ist
Im Arbeitspreis stecken Beschaffung, Vertrieb, Netzentgelt je kWh, Stromsteuer, Umlagen, Abgaben und Umsatzsteuer — in einem Bruttopreis, den du auf der Rechnung siehst, oft schon zusammengerechnet. Du musst die Brocken nicht einzeln nachrechnen, um ein Gerät zu bepreisen. Du musst die eine Zahl finden, mit der der Versorger deine kWh multipliziert.
Haushalts-Arbeitspreise bewegen sich typischerweise im Bereich einiger Dutzend Cent je Kilowattstunde. Viele Verträge liegen grob zwischen etwa 25 und 40 Cent, Grundversorgung oft am oberen Rand der üblichen Spanne, Sonderverträge darunter oder mittendrin. Das ist eine grobe Lage, keine amtliche Punktzahl. Wer 32 Cent und 0,32 Euro verwechselt, verdreht jedes Beispiel um den Faktor 100.
Für die Geräteformel brauchst du genau diesen Arbeitspreis. Wie du daraus Euro je Gerät machst, steht Schritt für Schritt unter kWh-Kosten berechnen.
Warum ein niedriger Arbeitspreis nicht immer gewinnt
Zwei erfundene, aber rechnerisch ehrliche Tarife, wieder nur als Mechanik:
Tarif A: Grundpreis 120 €/Jahr, Arbeitspreis 0,40 €/kWh.
Tarif B: Grundpreis 250 €/Jahr, Arbeitspreis 0,32 €/kWh.
Ein Single mit 1 500 kWh im Jahr:
- A: 120 + 1 500 × 0,40 = 720 €
- B: 250 + 1 500 × 0,32 = 730 €
Ein Haushalt mit 4 000 kWh:
- A: 120 + 4 000 × 0,40 = 1 720 €
- B: 250 + 4 000 × 0,32 = 1 530 €
Bei wenig Verbrauch gewinnt der günstige Fixblock. Bei viel Verbrauch gewinnt der günstige Arbeitspreis. Die Schnittmenge, ab der B günstiger wird, liegt hier bei (250 − 120) / (0,40 − 0,32) = 1 625 kWh. Unter dieser Schwelle ist A vorn, darüber B. Ohne beide Zahlen siehst du die Schwelle nicht.
Deshalb ist „der billigste Cent-Betrag“ als einziges Suchkriterium unbrauchbar. Ein Neukundenbonus, der nur im ersten Jahr gilt, verschiebt die Schwelle noch einmal — ab Jahr zwei oft zurück. Die Verbraucherzentrale rät genau deshalb, die Rechnung zu prüfen statt nur den Werbe-Arbeitspreis.
Was das für Geräte bedeutet
Die Aufschlüsselung nach Kühlschrank, Trockner und Fernseher gehört auf den Arbeitspreis. Der Grundpreis ändert sich nicht, wenn du den Trockner seltener anwirfst. Er ändert sich auch nicht, wenn du den Fernseher aus der Leiste nimmst. Sparen am Gerät senkt den verbrauchsabhängigen Block. Sparen am Tarif kann beide Blöcke verschieben.
Zwei praktische Folgerungen:
- Wenn du weißt, welche Geräte die kWh treiben, weißt du, wie stark ein neuer Arbeitspreis durchschlägt. 400 kWh Trockner mal 3 Cent weniger sind 12 Euro im Jahr — spürbar, aber nicht der Jackpot. 2 000 kWh Wärmepumpe mal 3 Cent sind 60 Euro, plus oder minus.
- Wenn du nur den Grundpreis senkst, bleiben die Gerätezeilen gleich. Die App zeigt dann denselben Jahresbetrag je Gerät, die Rechnung trotzdem weniger, weil der Fixblock sank.
Unsere App rechnet bewusst nicht so, als trüge jedes Gerät ein Stück Grundpreis. Würde sie das tun, sähe der Router mit 12 Watt plötzlich teuer aus, nur weil du den Zähler auf zwölf Zeilen verteilt hast. Die Sortierung nach Jahreskosten wäre kaputt.
Den Grundpreis brauchst du trotzdem, sobald du Abschlag und Nachzahlung gegenrechnest. Der Abschlag ist eine Vorauszahlung auf die Jahresrechnung, keine eigene Physik. Die Behörde beschreibt die Idee so: voraussichtlicher Jahresverbrauch mal Arbeitspreis, plus Jahresgrundpreis, geteilt durch die Zahl der Abschläge. Liegt der gemessene Verbrauch über der Annahme, kommt die Nachzahlung — und oft ein höherer Abschlag hinterher.
Lineare Tarife, Wärmepumpe, Mini-Verbrauch
Drei Lagen, in denen die Zweiteilung unterschiedlich weh tut:
Wenig Verbrauch, kleine Wohnung, viel unterwegs. Hier sticht ein hoher Grundpreis. Jede kWh, die du einsparst, holt den Fixblock nicht zurück. Lineare oder grundpreisarme Tarife sind in dieser Lage oft die ehrlichere Rechnung — wenn der Arbeitspreis nicht so hoch ist, dass er den Vorteil auffrisst. Wieder: beide Zahlen.
Mittlerer Haushalt ohne Stromwärme. Der Arbeitspreis trägt den Großteil. Geräte mit vielen Stunden (Kühlen, Router, bei manchen das Homeoffice) und nasse Wärme (Trockner, Geschirrspüler, elektrisches Warmwasser) entscheiden, ob 2 Cent Differenz im Arbeitspreis 20 oder 80 Euro im Jahr sind.
Wärmepumpe, Nachtspeicher, E-Auto an der Wallbox. Hoher Jahresverbrauch. Hier darf der Grundpreis höher sein, wenn der Arbeitspreis deutlich sinkt. Manche Versorger trennen Heizstrom-Zähler; dann gibt es zwei Grundpreise. Die App kann das als zweiten Haushalt abbilden — eigener Arbeitspreis, eigene Geräteliste — sie bucht dir keinen zweiten Zähler beim Netz.
Was auf dem Papier steht, und was du in die App tippst
Auf der Jahresabrechnung suchst du mindestens:
- Arbeitspreis in ct/kWh (brutto, der Satz mit dem multipliziert wird)
- Grundpreis in €/Monat oder €/Jahr
- gemessene kWh im Abrechnungszeitraum
- Abschläge, Nachzahlung oder Guthaben
- ob Messstellenbetrieb extra ausgewiesen ist
In die App tippst du den Arbeitspreis. Die 14 Vorlagen und die eigenen Geräte laufen gegen diese eine Zahl. Einen zweiten Arbeitspreis zum Vergleichen kannst du gegenhalten, um zu sehen, was der Wechsel an den *Geräte*-Kosten ändert. Den Grundpreis-Delta rechnest du daneben: neuer minus alter Fixblock, aufs Jahr.
Stromkosten-Rechner im App Store laden
Häufige Missverständnisse
„Der kWh-Preis enthält schon alles.“ Oft ja, als Bruttopreis. Trotzdem steht daneben ein Grundpreis. „Alles“ ist dann nicht alles.
„Wenn ich auf null Verbrauch gehe, zahle ich nichts.“ Im Standardtarif zahlst du weiter den Grundpreis, plus was der Zähler an Grundlast nicht hergibt. Nur lineare Modelle ohne Grundpreis verhalten sich anders.
„Ich verteile den Grundpreis auf die Geräte, dann ist die Rechnung vollständig.“ Vollständig vielleicht, vergleichbar nicht. Der Kühlschrank wird nicht teurer, weil der Versorger den Zähler vermietet.
„Ein Bonus macht den Arbeitspreis unwichtig.“ Ein Bonus ist einmalig. Der Arbeitspreis ist jedes Jahr. Ab dem zweiten Jahr gilt wieder die Zweiteilung ohne Geschenk.
Wo du weiterliest
Die Formel für ein einzelnes Gerät bleibt kWh aus Watt, Stunden und Arbeitspreis. Ob sich der Blick eher auf den Tarif oder auf den Trockner lohnt, steht unter Tarif und Geräte. Bereitschaft ist ein reiner Arbeitspreis-Posten und gehört nicht in den Grundpreis: Standby frisst Geld. Kurzantworten liegen in der FAQ.
Stromkosten-Rechner im App Store laden