Kreditrechner · Tilgung versus Zinsanteil: warum die erste Rate fast nur Zinsen ist
Tilgung versus Zinsanteil: warum die erste Rate fast nur Zinsen ist
Kreditrechner im App Store ladenViele sehen die erste Abbuchung und denken: „Ich zahle 1.375 €, also ist die Schuld 1.375 € kleiner.“ Beim Annuitätendarlehen stimmt das nicht. Die Rate enthält Zins und Tilgung. Der Zins ist der Preis fürs geliehene Geld, die Tilgung die echte Rückzahlung. Am Anfang ist die Restschuld am höchsten — also auch der Zins in Euro. Die Tilgung bekommt, was übrig bleibt.
Das ist kein Trick der Bank, sondern die Definition der Annuität: gleiche Rate, wechselnde Mischung. Wer das einmal an einem hypothetischen Monat-1-Beispiel gesehen hat, liest jeden Tilgungsplan anders. Keine Finanzierungsberatung, nur die Arithmetik.
Zinsanteil und Tilgungsanteil sind keine zweiten Raten
Die Bank zieht in der Regel einen Betrag ein. Intern — und oft auf dem Kontoauszug in Zusatzzeilen — wird er geteilt. Buchhalterisch müssen Zins und Tilgung getrennt landen; sonst stimmt weder Aufwand noch Darlehensstand. Für dich als planende Person zählt dasselbe: nur der Tilgungsanteil senkt die Schuld, auf die der nächste Monat Zinsen berechnet.
Zinsanteil = aktuelle Restschuld × Monatszins. Tilgungsanteil = Rate − Zinsanteil (höchstens die Restschuld, sonst wäre der Kredit überzahlt). Neue Restschuld = alte Restschuld − Tilgungsanteil.
Beim Ratendarlehen (im Privatbereich selten) bleibt die Tilgung in Euro konstant, die Rate fällt mit dem Zins. Beim Annuitätendarlehen — Ratenkredit und die übliche Baufinanzierung — bleibt die Rate konstant, die Tilgung in Euro steigt. Beides sind Tilgungsdarlehen, aber die Kurve fühlt sich anders an. Die Annuität selbst rechnen folgt dem zweiten Modell.
Hypothetisches Beispiel: warum Monat 1 so „zinslastig“ wirkt
Modellzahlen, frei gewählt, keine Bankkondition:
- 300.000 € Darlehen
- 3,50 % Sollzins p. a.
- 2,00 % anfängliche Tilgung
- Rate nach Praktikerformel: 1.375 €
Monat 1: Zins 300.000 × 0,035 / 12 = 875 €. Tilgung 500 € (das sind genau 2 % des Darlehens / 12). Anteil: rund 64 % Zins, 36 % Tilgung. „Fast nur Zinsen“ ist hier schon die richtige Richtung, aber noch nicht 90 %. Extrem wird es bei noch niedrigerer Tilgung oder höherem Zins.
Nach Monat 1 liegt die Schuld bei 299.500 €. Monat 2: Zins 299.500 × 0,035 / 12 ≈ 873,54 €. Tilgung ≈ 501,46 €. Der Unterschied zum Vormonat ist klein — deshalb fühlt sich das erste Jahr an, als würde „nichts passieren“. Nach zwölf Monaten sind in diesem Modell rund 6.097 € getilgt und rund 10.403 € Zinsen gezahlt. Die Schuld steht bei etwa 293.903 €. Die 2 % Anfangstilgung beziehen sich auf das ursprüngliche Darlehen, nicht auf jedes Jahr neu 2 % der Restschuld. Durch den ersparten Zins steigt die effektive Tilgung von Jahr zu Jahr.
Dieselbe Rate, andere Mischung — über die Jahre
Dasselbe hypothetische 300.000-€-Modell, gerundete Jahreswerte:
| Jahr | Restschuld am Jahresende | getilgt (kumuliert) | Zinsen (kumuliert) | Anteil getilgt |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 293.903 € | 6.097 € | 10.403 € | 2,0 % |
| 2 | 287.589 € | 12.411 € | 20.589 € | 4,1 % |
| 5 | 267.267 € | 32.733 € | 49.767 € | 10,9 % |
| 10 | 228.284 € | 71.716 € | 93.284 € | 23,9 % |
Nach zehn Jahren sind 165.000 € Raten geflossen, aber nur knapp 72.000 € Schuld abgebaut. Der Rest war Zins. Genau diese Schieflage erklärt, warum die Restschuld nach der Zinsbindung oft höher überrascht als die Monatsrate. Wer 1 % statt 2 % tilgt, zahlt in dem Modell 1.125 € und hat nach 10 Jahren rund 264.142 € offen — mehr Rate-Komfort, mehr Anschlussrisiko.
Ein kurzer Ratenkredit zeigt das Gegenteil. Hypothetisch 15.000 €, 6,90 %, 48 Monate, Rate 358,50 €: Monat 1 enthält 86,25 € Zins und 272,25 € Tilgung — rund 24 % Zins. „Die erste Rate ist fast nur Zins“ ist also kein Naturgesetz jedes Kredits, sondern die Folge von hoher Schuld, langem Horizont und kleiner Anfangstilgung.
Warum Sondertilgung früh mehr bringt
Jede Extra-Zahlung senkt die Restschuld, auf die alle künftigen Zinsen laufen. 3.000 € zusätzlich im dritten Jahr vermeiden Zins auf 3.000 € über Jahrzehnte. Dieselbe Summe im Jahr 25 trifft eine schon kleinere Schuld und eine kürzere Restlaufzeit. Im Modell 300.000 € / 3,50 % / 2 % spart eine jährliche Sondertilgung von 3.000 € über die volle Laufzeit rund 44.600 € Zinsen und rund 81 Monate — und drückt die Restschuld nach 10 Jahren von etwa 228.284 € auf etwa 193.000 €.
Ob der Vertrag das erlaubt, steht nicht in der Formel. Viele Baufinanzierungen gestatten jährlich bis zu einem Prozentsatz der ursprünglichen Summe ohne Vorfälligkeit; ungenutzte Kontingente sind nicht automatisch übertragbar. Ohne Klausel kann eine außerplanmäßige Zahlung teuer werden. Die App rechnet den Effekt, sie prüft nicht deinen Vertrag.
Was der Tilgungsplan sichtbar macht
Ein Tilgungsplan ist die Tabelle aus Restschuld, Zins, Tilgung, Rate und Datum. Banken legen ihn oft bei; fehlt er, kannst du ihn nachrechnen oder anfordern. In unserer App Kreditrechner ist er eine eigene Ansicht: Monat für Monat, mit Datum, als CSV zum Teilen. Genau dort sieht man, dass von den ersten Raten eines langen Darlehens oft weniger als die Hälfte tilgt.
Der Plan beantwortet drei Fragen, die die einzelne Rate verschluckt:
- Wie schnell fällt die Schuld wirklich?
- Wann dreht sich das Verhältnis Zins/Tilgung?
- Was steht am Ende der Zinsbindung noch offen?
Wenn die Rate den Monatszins nicht übersteigt, gibt es keinen sinnvollen Plan. Die App warnt dann und erfindet keine Laufzeit — anders als Tabellen, die einfach weiterdividieren. Hintergrund der Warnung steht in der FAQ.
Dasselbe hypothetische 300.000-€-Darlehen mit 1 % statt 2 % Anfangstilgung macht Monat 1 noch zinslastiger: Rate 1.125 €, Zins weiter 875 €, Tilgung nur 250 €. Dann sind 78 % der ersten Rate Zins. Nach zehn Jahren stehen rund 264.142 € offen. Die gefühlte Entlastung im Monat ist real; die Tilgungskurve ist flacher, und der Anschluss trägt mehr Schuld. Umgekehrt 3 %: Rate 1.625 €, erste Tilgung 750 €, nach zehn Jahren rund 192.426 €. Der Zinsanteil fällt nicht, weil die Bank „netter“ wird — er fällt, weil du der Restschuld schneller den Boden entziehst.
Lesefehler, die teuer werden
Die ganze Rate als Tilgung lesen. Den Anfangs-Zinsanteil für immer festschreiben. 1 % Tilgung mit „1 % der Restschuld jedes Jahr“ verwechseln. Eine niedrigere Rate als Gewinn verbuchen, ohne Gesamtzins und Restschuld zu vergleichen. Zwei Angebote nur über die Rate vergleichen, obwohl eines 15 Jahre bindet und das andere 10. Den Tilgungsplan der Bank ignorieren, weil die App „dasselbe“ zeigt — Rundung, Zahlungsweise (nachschüssig, vorschüssig) und unterjährige Verrechnung können Centbeträge und den letzten Monat verschieben. Maßgeblich ist der Vertrag.
Excel kann denselben Plan bauen, wenn RMZ, ZINSZ und KAPZ richtig parametrisiert sind. Die häufigsten Tabellenfehler — Jahreszins statt Monatszins, keine Warnung bei Unterdeckung — stehen unter Excel versus Kredit-App.
Was die App davon abnimmt
Der Kreditrechner (BRUNIQO, iPhone) ist unser Produkt: du gibst Darlehen, Sollzins, Tilgung und Bindung ein, eine Frage pro Schritt. Das Ergebnis zeigt die Rate, die geschätzte Laufzeit und die Restschuld nach der Bindung als eigene Zahl. Darunter der Verlauf. Der Zinsanteil der ersten Rate ist dann keine Überraschung mehr, sondern die erste Zeile.
Das ersetzt keine Beratung. Es verhindert den Denkfehler, mit dem viele in das Gespräch gehen: „Ich zahle 1.375 €, also ist nach zehn Jahren der Großteil weg.“ In dem hypothetischen Modell oben ist nach zehn Jahren der Großteil nicht weg.
Weiterlesen: Annuität verstehen und Restschuld nach der Zinsbindung. Planungshilfe, Modellrechnung, keine Finanzierungsberatung.
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