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VPD-Phasen im Zelt: Keimling, Veg und späte Blüte
GrowRoadmap im App Store ladenDie Phasenwechsel im Zelt sind Klimawechsel, nicht nur Lichtstundenwechsel. Wer 12/12 umlegt und die Luftfeuchte wie in Woche zwei lässt, hat die Blüte klimatisch nicht begonnen. GrowRoadmap ist unser Homegrow-Planer: die Wochen-PDF schiebt das VPD-Band mit der Phase, zusammen mit PPFD und EC. Dieser Text zerlegt die drei groben Klimawelten im legalen Eigenanbau — Keimling, Veg, späte Blüte — an Beispielen aus Heimzelten, nicht an Hallen mit 500 Pflanzen.
Die Leitplanken bleiben die bekannten: 0,4–0,8 kPa sehr jung, 0,8–1,2 kPa vegetativ, 1,2–1,6 kPa späte Blüte. Dazwischen liegt Alltag. Alltag ist die Lücke, die Foren mit einer einzigen „idealen“ Zahl zumachen.
Warum Phasen überhaupt eigene Bänder brauchen
Ein Keimling hat wenig Wurzel, dünne Kutikula, kleine Blattfläche. Hohe Trocknungskraft (hohes VPD) zieht Wasser aus einem Körper, der noch nicht nachliefern kann. Die Pflanze welkt oder verkrustet, obwohl du „richtig“ gießt. Niedriges VPD hält die Luft sanft, damit die kleine Fläche nicht zur Wüste wird.
Eine vegane Pflanze mit voller Blattmasse will arbeiten. Mittelhohes VPD hält die Spaltöffnungen in einem Bereich, in dem CO₂ rein und Wasser raus kann, ohne dass jeder Nachmittag zur Dürre wird. Zu schwül in der Veg heißt: weiches Gewebe, Streckung, später eine Krone, die in der Blüte nicht trocknen will.
In der späten Blüte sind dichte Blütenstände ein Feuchtenest. Dieselbe rF, die den Sämling gerettet hat, füttert Botrytis. Höheres VPD heißt hier: Luft darf trocknen, ohne dass du die Pflanze in 1,8 kPa und 30 °C jagst. Es ist Risikosteuerung, nicht Härtetest.
Keimling: das feuchte, langweilige Band
Ziel: 0,4–0,8 kPa. Typisch eher 23–26 °C, eher hohe rF. LED stark dimmen — PPFD ist in dieser Phase ein zweiter Stressor, den viele unterschätzen, weil die Leuchte „ja weit oben hängt“ und trotzdem in der Mitte hart sein kann.
Beispiel 60×60, Keller, 24 °C, 75 % rF: du liegst weich im Band. Die Gefahr ist nicht Trockenheit, sondern Stillstand plus Pilz an der Oberfläche, wenn keine Umluft die Grenzschicht bewegt. Ein ganz schwacher Luftzug, kein Sturm.
Beispiel Dachwohnung, 26 °C, 40 % rF, Heizungsluft: du bist aus dem Band raus, nach oben. Befeuchter, Zelt schließen, Gießen nicht mit „mehr Wasser im Topf“ verwechseln. Ein nasser Topf in trockener Luft ergibt welk-nasse Keimlinge.
Nacht: nicht 18 °C und 90 % kombinieren, nur weil der Tag 24 °C war. Kondens an der Haube tropft. Lieber die Nachtstufe der Abluft anlassen.
Häufiger Fehler: Mini-Gewächshaus-Haube ohne Messung, dann Haube weg am Tag vier, VPD-Sprung, umgeknickte Stiele. Übergänge in zwei Tagen, nicht in zwei Minuten.
Ein zweiter Fehler: Cal-Mag in Woche eins, „weil LED“. Der Keimling braucht kaum Salz. EC nah am Wasser, pH im Medium-Korridor, Klima zuerst.
Veg: das Arbeitsklima
Ziel: 0,8–1,2 kPa. Temperatur darf etwas höher, rF etwas niedriger als beim Keimling. Jetzt darfst du PPFD und später EC anheben — nachdem das Band steht, nicht davor.
Beispiel 80×80, 26 °C, 60 % rF: grob um 1,1 kPa, ein komfortabler Veg-Wert für viele Läufe. Umluft verteilt, Abluft trägt die Feuchteladung nach dem Gießen ab. Wenn die rF nach dem Gießen zwei Stunden bei 75 % klebt, ist nicht der VPD-Chart falsch, sondern der Luftwechsel für diese Blattmasse.
Beispiel 26 °C, 45 % rF: eher hoch für frühe Veg. Blätter tacoen, Töpfe trocknen in einem Tag, Leute erhöhen den EC „weil Hunger“. Oft ist es Durst durch Luft. rF anheben oder Temperatur leicht senken bringt mehr als die nächste Flasche.
Training (biegen) ändert das Mikroklima. Eine dichte Krone nach einem aggressiven Bindetag hält Feuchte innen. Miss nicht nur außen am Sensor, schau in die Mitte. VPD in der Krone kann niedriger sein als der Sensor oben an der Stange behauptet — das ist die Botrytis-Vorschule, noch in der Veg.
Photoperiode 18/6 ist üblich. Sechs Stunden Nacht dürfen kühler und etwas feuchter sein, aber der Sprung sollte die Pflanze nicht jedes Mal in den Kaltschock schicken. 3–6 °C Differenz sind alltagstauglicher als 12 °C, nur weil ein Chart 18 °C Nacht „für Farbe“ feiert. Farbe in der Veg ist kein Ertragsziel.
Frühe Blüte: der Stretch-Kompromiss
Hier sterben Pläne, die nur zwei Zeilen kennen (Veg / Blüte). Die Pflanze streckt, Blattmasse ist groß, Blüten noch nicht dicht. VPD oft 1,0–1,4 kPa: trockener als Veg, noch nicht so hart wie die letzte Phase.
12/12 bedeutet weniger Stunden Licht, oft weniger Lampenhitze, oft steigende Nachtfeuchte, weil die LED lange aus ist. Viele merken erst jetzt, dass ihre Abluft nur mit Lampenwärme funktioniert. Dann fällt die Temperatur, die rF steigt, VPD bricht ein — jede Nacht. Lösung ist nicht mehr Dünger, sondern Nachtluftwechsel oder Entfeuchtung.
Stretch plus hohe rF plus dichte Bindung: der Moment, in dem Innenblätter gelb werden und niemand nachschaut. Luftkanäle in der Krone sind Klimaarbeit.
PPFD darf steigen, aber Gleichmäßigkeit bleibt wichtiger als die Mitte. Wer in Woche zwei der Blüte auf Maximaldimmung springt und VPD gleichzeitig nach unten rutschen lässt, stapelt Transpirationschaos.
Späte Blüte: trockener, nicht brutal
Ziel: 1,2–1,6 kPa. Temperatur oft eher 20–24 °C am Tag, rF klar unter den Veg-Werten. Dichte Blüten verzeihen keine stehende Feuchte.
Beispiel 23 °C, 48 % rF: im Band, alltagstauglich, wenn die Umluft die Innenräume erreicht. Beispiel 23 °C, 62 % rF in einem vollen 80×80 mit drei legalen, aber buschigen Pflanzen: unter dem Band, Risiko. Hier hilft Entfeuchten oder Auslichten von Blattmasse, die kein Licht mehr sieht — nicht als Ritual, als Feuchtemanagement.
Oberes Ende 1,6 kPa: erlaubt, wenn die Pflanze nicht welkt und die Töpfe nicht in zwölf Stunden zu Ziegeln werden. Darüber schließt sie eher, Terpene und Wasserstress steigen, der Gewinn ist klein. Homegrow ist kein Labor mit 1,8 kPa und 900 ppm CO₂.
In den letzten Tagen nehmen manche Intensität und EC zurück und halten VPD eher trocken-stabil. Das ist keine Magie für „mehr Harz“, das ist weniger Schimmel und weniger Salz in einem Gewebe, das kaum noch Blattwachstum macht.
Tag-Nacht-Kurven, die du wirklich sehen willst
Miss eine Woche lang drei Punkte: eine Stunde nach Licht-an, Mitte, eine Stunde vor Licht-aus, plus ein Nachtpunkt. Zeichne gedanklich zwei Linien: Temperatur runter in der Nacht, rF rauf. VPD folgt. Wenn VPD nachts unter 0,6 fällt, während du in der späten Blüte bist, ist das die Kurve, die du brichst — mit Nachtlüftung, leicht höherer Nachttemperatur oder weniger Gießen direkt vor Licht-aus.
Gießzeitpunkt ist ein Klimawerkzeug. Große Wassergaben zu Beginn der Nacht sind Feuchtespitzen genau dann, wenn die LED keine Wärme mehr liefert. In der Veg verzeihlicher, in der späten Blüte unnötig mutig.
Keller im Sommer: Tag angenehm, Nacht schwül. Dach im Sommer: Tag zu hart, Nacht vielleicht die einzige Phase im Band — dann Lichtplan verschieben, nicht Düngerplan.
Blatt-VPD gegen Luft-VPD
Unter LED oft 1–2 °C kühleres Blatt. Der physikalisch saubere Wert nutzt die Blatttemperatur. Im Heimzelt reicht: wenn du nur Luft misst, ziele eher in die weiche Hälfte des Bandes. Ein Infrarot-Stich auf der Blattmitte (nicht auf der Leuchte, nicht auf nassem Blatt) einmal pro Phase kalibriert dein Gefühl.
Wer HPS-Restwärme gewohnt ist, erwartet heiße Blätter. LED enttäuscht diese Erwartung und bestraft mit zu naher Montage. Das ist ein Licht- und ein VPD-Thema gleichzeitig. Die PPFD-Seite gehört neben diesen Text, nicht darunter.
Drei komplette Mini-Läufe (klima-only)
Lauf A, 60×60, Winter, Heizung: Keimling befeuchten, Veg bei 1,0 kPa halten gegen trockene Zimmerluft, Blüte nicht auf 30 % rF fallen lassen, nur weil „trocken gut“ im Chat stand. 35 % bei 24 °C kann schon unangenehm hart sein. Befeuchter bleibt ein Blüte-Gerät, nur schwächer.
Lauf B, 80×80, Keller: Keimling fast zu leicht (Kellerfeucht), Veg mit mehr Luftwechsel als Instinkt, Blüte Entfeuchter oder konsequente Nachtabluft. Erde bleibt länger nass — Gießabstand vergrößern statt EC zu senken und zu hoffen.
Lauf C, 120×120, eine zu kleine Leuchte: Mitte hart und trocken (hoher lokaler VPD durch Strahlung und Last), Ecken schwül. Zwei Klimazonen im selben Zelt. Kein Chart der Welt mittelt das weg. Pflanzen zusammenrücken oder Licht ehrlich machen. Die App kann das Setup abbilden, nicht die Physik der Ecke leugnen.
Was GrowRoadmap in der Phasenlogik tut
Die Matrix ändert das VPD-Ziel mit der Woche, nicht erst, wenn du „Blüte“ in ein Tagebuch schreibst. Du siehst die nächste Bandverschiebung, bevor die Blüten dicht sind. Zusammen mit PPFD und EC auf einem Blatt: wenn Woche 7 Licht hoch und VPD hoch und EC hoch verlangt, siehst du den Dreifach-Stress vor dem Randbrand.
Der Grow-Pass kauft diese PDF, Einzelkauf, kein Abo-Zwang. GrowRoadmap ist kein Hygrometer. Du misst weiter. Der Plan sagt das Band.
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Fehlerkatalog nach Phase
Keimling: zu viel Licht, zu wenig rF, zu viel Salz, Haube-on/off ohne Übergang, Sensor im Nassen direkt am Vermehrungsdeckel.
Veg: „mehr LED gegen Stretch“ bei 70 % rF und Stillluft; Cal-Mag-Stapel weil Spitzen bei 1,4 kPa; nur ein Sensor oben.
Frühe Blüte: 12/12 ohne Nachtabluft; Bindung ohne Luftkanal; PPFD-Sprung Tag 1.
Späte Blüte: Veg-Feuchte aus Gewohnheit; Gießen vor Nacht; Zelt stundenlang offen zum „Lüften“ bei 80 % Wohnung und dann wieder zu — Kondensschock.
Immer: drei Stellschrauben am selben Abend. Dann weiß niemand, welche geholfen hat.
Kopplung an EC und Gießen
Transpiration ist der Förderbandmotor fürs Salz. Hohes VPD plus hohes PPFD plus voller EC ist Randbrand mit Ansage. Niedriges VPD plus voller EC in Coco ist Salz, das nicht wegbewegt wird, plus Wurzelfaul-Risiko. Deshalb ist ein EC-Kalender ohne Phasen-VPD unvollständig.
Drain-EC steigt, wenn die Pflanze mehr Wasser als Salz nimmt — oft bei Licht und trockenem VPD. Dann nicht „mehr füttern“, sondern Wasserangebot und Band prüfen.
Recht und Ton
Nur Volljährige, nur legaler Eigenanbau in Deutschland, begrenzte Pflanzenzahl, Schutz vor Zugriff. Keine Beschaffungswege, keine Sortenempfehlung als Shop-Ersatz. Klima gilt für Pflanzen, die legal bereits im Setup stehen. Gesetze ändern sich; deine Sorgfalt gegenüber Mitbewohnenden nicht.
Die Schritt-für-Schritt-Steuerung (messen, Temperatur, Feuchte, Luftstrom, koppeln) liegt in der HowTo-Seite. Die Startseite bleibt der Hub zum Store. Dieser Blog ist die Phasentiefe, damit die HowTo-URL nicht denselben Long-Tail fressen muss.
Ein Wochenprotokoll, das zu den Phasen passt
Woche Keimling: täglich rF und °C, LED-Dimmung notieren, kein EC-Ehrgeiz.
Woche Veg-Mitte: dreimal pro Woche Raster der Gefühle (Mitte vs Rand der Krone), einmal VPD-Nachtwert, PPFD nur ändern wenn das Band drei Tage hielt.
Woche Blüte-Mitte: nach jedem Gießen rF-Peak notieren, Innenkrone anfassen (trocken? kühl-feucht?), Filterzug prüfen weil volle Pflanzen mehr Dampf schieben.
Woche spät: lieber ein Blatt weniger in der Innenkrone als 5 % mehr rF über Nacht. Erntefenster ist kein VPD-Thema, Schimmel schon.
Wer dieses Protokoll langweilig findet, hat noch nie eine dichte Blüte entsorgt. VPD-Phasen sind die unspektakuläre Hälfte des Homegrows. Die spektakuläre Hälfte hängt davon ab, dass die unspektakuläre stimmt.
Kurze Physik ohne Formelsammlung
Sättigungsdampfdruck steigt steil mit der Temperatur. Deshalb bewegt 2 °C mehr oft mehr VPD als 5 % rF-Spiel. Deshalb justiert die HowTo zuerst die Temperatur. Wer im Sommer nur befeuchtet, gegen 31 °C, kauft Nebel und bleibt physiologisch trocken, weil die Luft trotzdem viel „dürfte“. Kühlen oder dimmen schlägt Nebel, wenn die Temperatur das eigentliche Problem ist.
Relative Luftfeuchte ist relativ. Absolut (g Wasser pro m³) erklärt, warum Keller und Dach verschiedene Maschinen brauchen. VPD übersetzt das in Pflanzenstress. Deshalb reicht die eine Zahl für den Alltag, sobald du sie phasenweise liest.
Blattfläche ist ein Verdunster. Drei volle Pflanzen in einem kleinen Zelt sind eine Nebelmaschine mit Wurzeln. Das gesetzliche Maximum an Pflanzen ist keine Pflicht, alles vollzustellen. Leerer wirkt trockener. Trockener ist in der späten Blüte oft das, was du wolltest, als du „VPD erhöhen“ gegoogelt hast.
Damit schließt sich der Kreis zur Planung: Inventar, Phase, Band, eine Stellschraube, messen. Die PDF hängt an der Stange, das Hygrometer daneben. Mehr Ritual braucht das Zelt nicht.
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