GangGefährte · Gangbild-Protokoll: was du zwischen den Terminen festhältst
Gangbild-Protokoll: was du zwischen den Terminen festhältst
GangGefährte im App Store ladenZwischen zwei Terminen passiert der Alltag: kurze Morgensteifheit, ein komischer Schritt nach dem Spiel, ein Tag ganz unauffällig. Im Sprechzimmer bleibt davon oft ein Satz übrig — „letzte Woche war er irgendwie anders“. Ein Gangbild-Protokoll ist die Alternative: du hältst fest, was du gesehen hast, unter welchen Bedingungen, und du hast einen Clip dazu. GangGefährte ist unsere App für genau diese Dokumentation. Sie stellt keine Diagnose, sie speichert Verlauf.
Die Idee ist alt. In der orthopädischen Anamnese fragen Praxen, wann die Veränderung auftritt, wie lange sie schon da ist, ob sie nach Ruhe oder nach Belastung deutlicher wird, und wie der Hund auf längerem, unebenem Weg läuft. Was du zu Hause notierst, ist Rohstoff für diese Fragen — nicht die Antwort.
Was ins Protokoll gehört — und was nicht
Ins Protokoll gehört Beobachtung, keine Deutung. „Rechte Hinterhand im Bild kürzer belastet, nach dem Aufstehen, Asphalt, Geschirr wie immer“ ist brauchbar. „Bestimmt Kreuzband“ ist es nicht. Krankheit benennt die Praxis.
Sinnvolle Felder, in ganzen Sätzen oder Stichworten:
- Datum und ungefähre Uhrzeit
- Was du gesehen hast (Entlasten, Steifheit, Takt, Rute, Aufstehen)
- Wann: nach dem Schlafen, mitten im Gassi, nach Toben, nur bergab
- Untergrund: Asphalt, Waldweg, glatter Flur
- Ausrüstung: Halsband oder dasselbe Geschirr
- Wetter und Strecke in einem Satz
- Ob du ein Video hast, und von welcher Seite
- Was du *nicht* gesehen hast: Fressen, Stimmung, andere Beschwerden — nur wenn es auffällt, nicht als Diagnose
Viele Halter merken Veränderungen zuerst an der Hinterhand. Das darfst du so notieren. Es bedeutet nicht, dass „hinten die Ursache sitzt“. Vorderes Hinken kann aus dem Rücken kommen, hinteres aus der Pfote. Deshalb bleibt die Zeile beschreibend.
Was nicht ins Protokoll gehört: Rassenormen („bei der Rasse ist das normal“), Internet-Diagnosen, Prozentangaben aus einer App als Beweis, beruhigende Sätze an dich selbst. Wenn die Datenbasis einer Aufnahme nicht reicht, gehört *das* ins Protokoll: „Clip zu kurz, Hund hat geschnüffelt“. Ehrlichkeit schlägt eine schöne Zahl.
Nicht jedes Feld muss jeden Tag voll sein. Leere Zeilen an unauffälligen Tagen sind erlaubt. Sie zeigen, dass du nicht nur die Dramen sammelst. Ein Protokoll, das nur aus Ausrufezeichen besteht, verzerrt das Gespräch genauso wie eines, das leer bleibt, weil „es sich nicht gelohnt hat zu notieren“.
Das Video ist der Kern, der Text der Rahmen
Ein Satz ohne Bild bleibt Interpretationssache. Ein Bild ohne Datum wird schnell zum falschen Tag. Beides zusammen ist das Protokoll. Der Kern ist das Seitenvideo im normalen Gehen, rund 20 nutzbare Sekunden, Kamera tief, ganzer Hund. Wie du das aufnimmst, steht in der Anleitung Hund filmen für den Tierarzt. Warum Erinnerung allein untergeht, erklärt Video statt Gedächtnis.
Zusätzliche Clips können für die Praxis nützlich sein: Trab, von vorn, von hinten, Treppe, Aufstehen. Hofheim bittet genau darum, wenn es um den Eindruck zu Hause geht. Sie müssen nicht in dieselbe Datei. Ein Ordner pro Woche reicht, Dateinamen mit Datum. Die App wertet das Seitenvideo aus; der Rest ist Material fürs Gespräch.
Schreib unter jedes Video drei Zeilen: Bedingung, Beobachtung, Frage an die Praxis. Die Frage darf offen sein. „Ist das denselbe Eindruck wie vor vier Wochen?“ ist besser als „Ist das Arthrose?“.
Vergleichbar bleiben: sonst lügt der Verlauf
Verlauf heißt: dieselbe Art Aufnahme, wiederholt. Wechselst du den Untergrund, das Geschirr, die Gangart und die Kamerahöhe, vergleichst du Äpfel mit Birnen. Die App macht die erste gute Analyse zum Referenzgang. Spätere Läufe beantworten, ob das Bild dazu stabil oder verändert ist — neutral, ohne grün oder rot.
Damit dieser Vergleich trägt, notierst du die Konstanten:
- Dieselbe Seite, derselbe grobe Abstand
- Dieselbe Ausrüstung
- Harter, ebener Boden, wenn möglich
- Gehen, nicht Pass, nicht Spielgalopp
- Kein neuer „Motivationstrick“, der den Hund zum Halter schauen lässt
Nach einer tierärztlich bestätigten Diagnose kann ein Reha-Verlauf Sinn haben: Marker im Diagramm ab dem Diagnosedatum, nicht als Therapieplan der App. Den Plan macht die Praxis. Du dokumentierst, ob das Gangbild im Alltag wieder näher an die Referenz rückt oder wegdriftet. Drift ist ein Gesprächsanlass, keine Entwarnung und kein Alarm der Software.
Was du zwischen den Terminen tun kannst — ohne zu behandeln
Protokoll heißt nicht, selbst zu therapieren. Keine Dehnprogramme „aus dem Internet“, keine Schmerzmittel auf Verdacht, kein „läuft sich weg“, nur weil das Video an einem guten Tag freundlich aussieht. Zooplus und AniCura beschreiben Lahmheit als Symptom mit vielen Auslösern, von der Pfote bis zu Gelenk und Nerv. Die Sortierung ist Arbeit der Praxis.
Was du tun kannst, ohne die rote Linie zu kreuzen:
- Pfote anschauen, wenn der Hund es zulässt: Kralle, Ballen, Spliss, Granne — und bei Unsicherheit abbrechen
- Belastung im Alltag nicht steigern, nur weil „ein Video unauffällig wirkte“
- Den nächsten Termin vorbereiten: zwei, drei Clips, nicht zwanzig
- Fragen aufschreiben, bevor das Sprechzimmer die Gedanken löscht
Das PDF aus GangGefährte fasst Befundsätze, Verlauf und Methodik. Es ist kein Arztbrief. Du kannst es zeigen, du musst die App nicht zur zweiten Meinung machen. Technische Grenzen — 2D, Gehen statt Trab-Klassifikation, Rückenlinie nicht vermessen — gehören zur Methodikseite und dürfen im Gespräch ruhig so heißen.
Ein einfaches Raster für vier Wochen
Du brauchst keine Tabelle im Laborformat. Ein Notizfeld pro Woche reicht, plus ein Seitenvideo, wenn etwas auffällt — oder einmal pro Woche, wenn du Verlauf willst, auch an guten Tagen. Gute Tage sind die Referenz wert. Wer nur die schlechten filmt, zeichnet eine Karikatur.
Woche 1: Referenzclip auf bekanntem Asphalt, Ausrüstung wie immer, drei Sätze Beobachtung. Woche 2: derselbe Weg, auch wenn nichts stört. Woche 3: nur extra filmen, wenn etwas vom Bild der Woche 1 abweicht, plus die Abweichung in Worten. Woche 4: beides mitnehmen, plus die offene Frage.
Wenn zwischendurch etwas Akutes passiert — plötzliches Nicht-Auftreten, Schmerzen, Trauma — gilt das Protokoll nicht als Warteschleife. Dann ist die Praxis zuerst da, der Clip höchstens Beilage.
Mehr zur Haltung hinter der Kamera steht im Blog Hund von der Seite filmen. Was die App nicht ersetzt, steht unter Verlaufshilfe ohne Diagnose. Einzelheiten zum Termin: Video mitbringen und die FAQ.
Was du aus alten Notizen lernen kannst — ohne sie zu überinterpretieren
Nach ein paar Wochen siehst du Muster, die kein einzelnes Video trägt: immer nach dem Autofahren, nie nach dem langsamen Morgen-Gassi, nur auf glattem Flur. Muster sind Fragen, keine Antworten. „Immer nach dem Auto“ kann Anspannung sein, kann ein Gelenk sein, das nach Starre protestiert, kann Zufall in einer kleinen Stichprobe sein. Du nimmst das Muster mit als Satz, nicht als These.
Wenn das Muster verschwindet, gehört das ebenfalls ins Protokoll. Verschwinden ist Verlauf. Es ist keine Erlaubnis, den nächsten Termin abzusagen, wenn die Praxis ihn gesetzt hat. Es ist auch keine Entwarnung der App. Neutral bleiben heißt: du dokumentierst das Verschwinden genauso nüchtern wie das Auftauchen.
Digitale Ablage: ein Ordner pro Hund, Unterordner nach Monat, Dateiname mit ISO-Datum. Wer drei Hunde filmt, mischt sie nicht. Die App kann mehrere Tiere; die Galerie des iPhones mischt sie trotzdem, sobald du „letztes Video“ suchst. Das Protokoll auf Papier oder in einer Notiz mit Link zum Clip überlebt das.
Ein Protokoll macht aus „irgendwie komisch“ eine Reihe von Beobachtungen. Die Reihe ersetzt keine Untersuchung. Sie gibt der Untersuchung etwas, woran sie anknüpfen kann.
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